Patenschaft - Partnerschaft
Ein Stück gemeinsamer Geschichte der beiden Kirchengemeinden Härtensdorf und Süderhastedt


Die vorletzte Begegnung der beiden Gemeinden fand am Himmelfahrtswochenende 2003 in Süderhastedt statt. Wir durften damals ein schönes Beisammensein erleben. Erfreulich für uns war, wie besonders die jungen Gäste sich einbrachten, wie sie z.B. den Abschlussgottesdienst gestalteten.

Mir, die ich die Anfänge dieser partnerschaftlichen Beziehung der beiden Gemeinden von Anfang an miterlebt habe, ging in jenen Tagen Vieles durch den Kopf: da kommen sie angereist in eigenen Pkw's, in schicker Kleidung - junge Menschen, die sich in keiner Weise von unserer Jugend hier unterscheiden. Wie anders war noch die Generation ihrer Eltern, die ich damals in der ehemaligen DDR kennenlernte! Sind wirklich schon zehn Jahre vergangen, als nach dem Fall der Mauer Mitglieder des Posaunenchores zum ersten Mal in den Westen kamen? Es war wohl eine unwiederbringliche "Sternstunde", als diese Begegnung zusammenfiel mit dem Termin für die Schallplattenaufnahme zum 100. Bestehen des Posaunenchores Süderhastedt. Jeder, der diese Begegnung miterlebt hat, wird sich bewegt daran erinnern. Einige Wochen vor der Wende waren Bläser aus unserer Gemeinde in Härtensdorf zu Gast gewesen, dort entstand der Plan von der gemeinsamen Schallplatte.

Für mich war es gut zu beobachten, dass auch in der jungen Generation Freundschaften entstanden, dass unsere damals gegründete Partnerschaft, wenn auch in ganz anderer Form, weitergeht.

Mir fielen die Anfänge der Beziehung ein, als sich Ende der 50iger Jahre die Pastoren aus Ost und West in Ostberlin trafen, um sich auszutauschen. Über die Kirchenkreise wurden Kontakte zu den einzelnen Gemeinden geknüpft. Schon vor 1960 gab es Verbindungen zwischen den Gemeinden Härtensdorf und Süderhastedt, anfangs hauptsächlich über die Pastoren Forberger und Reuß, es gab aber auch Kontakte zwischen den Familien aus West und Ost. Gesprochen wurde allerdings wenig darüber.... man wusste ja nie....Namen wie Huster, Schubert, Petzold, Ehrler, Scheller waren hier schon bald ein Begriff; während wir uns bei unseren ersten Besuchen "drüben" möglichst unauffällig benahmen. Später wurden die Kontakte offizieller, dass Specks z.B. Pfarrer Lange besuchten, war kein Geheimnis mehr. Zur Zeit von Pastor Möbius und Pfarrerin Krebs gab es sogar öffentliche Begegnungen mit dem damaligen Kirchenvorstand und Posaunenchor. Für uns gab's neue Bekanntschaften z. B. mit Mempels, Viertels, Roders und vielen anderen. Intensiv gepflegt wurde die Beziehung, als Pfarrer Lange, der seine erste Predigt übrigens schon am 24. Juni 1973 in Süderhastedt hielt, durch seine vielen Besuche in unserer Gemeinde uns vertraut machte mit dem Leben in der DDR. Trotz Pastorenwechsel hier wie da sind die Kontakte nie abgebrochen. Viele Besuche hinüber (einige wenige auch herüber, da nur die Rentner reisen durften), sorgten für immer enger werdenden Kontakt zwischen den Gemeinden. Beklemmung, manchmal auch Angst unsererseits am Grenzübergang, wurden durch die herzliche Gastfreundschaft, die wir erleben durften, schnell aufgehoben.

Nie wagte ich zu glauben, den Mauerfall noch zu erleben. Nun sind seitdem schon zehn Jahre vergangen. Wenn auch heute noch viel über die Mauer in den Köpfen der Ost- und Westdeutschen geredet wird, ich hatte den Eindruck, das es sie unter Christen nie gab und gibt. Dank des Einsatzes der Familien Mempel und Fritz wird die Verbindung hoffentlich noch lange bestehen. So ein Stück Geschichte (mit einer Mauer dazwischen) gemeinsam erlebt zu haben, ist schon etwas Einmaliges. Daher möchte ich, Gretel Köhler, diejenigen, die uns noch kennen, besonders herzlich grüßen und Gottes Segen für alle Gemeindeglieder wünschen. Im Jahre 2003 fand nun endlich wieder ein Besuch in Süderhastedt statt - wie's war findet ihr unter "Rückblicke 2003" oder direkt hier